karl hartwig kaltner
karl hartwig kaltner wurde 1959 in Salzburg geboren, nach seinem Studium
an der Universität Salzburg ( Geschichte/ Romanistik) studierte er von
1984 - 1988 Malerei an der Kunstakademie "Brera" in Mailand.Seit 1994
lebt und arbeitet er wieder in Österreich.
Text Paola Thea
Kaltner versucht, wie zahlreiche andere Maler, Bildhauer und
zeitgenössische Komponisten, Bilder, Abbilder des ewig Wiederkehrenden
aufzuspüren und festzuhalten. Es ist dies eine Suche die man auch mit
Namen wie Lucio Fontana oder Karl-Heinz Stockhausen, um nur zwei zu
nennen, verbinden könnte. Dabei verzichtet Kaltner nicht auf religiöse
Zusammenhänge. Mehr als devote Praktiken interessiert Kaltner an der
Religion jedoch die Symbolhaftigkeit der Rituale. Sichtbare Symbole als
immer wiederkehrende magische Elemente, die, obwohl wiederkehrend, in
immer neuer Form erscheinen. Aus dieser Suche heraus entstanden
Glasfenster, Fresken, Rauminstallationen, aber auch unausgeführte
Projekte und Planungen für Klöster und Kirchen. Das erinnert mich an
meinen letzten Besuch in Salzburg. Eine Episode, die aufzeigt, wie ernst
Kaltner die Auseinandersetzung mit religiöser Kunst nimmt. Nachdem wir
gemeinsam die Ausstellung über Ewald Mataré im Dommuseum besucht hatten,
ein Bildhauer, der übrigens auch Lehrer von Joseph Beuys war, und der
in Zeit des Nationalsozialismus nur durch kirchliche Aufträge überleben
konnte, blätterten wir in einer Publikation des Museums, und Kaltner
zeigte mir mit Stolz die Abbildung einer seiner großformatigen
Fahnenbilder, das sich zwischen den verschiedenen Objekten und
Artefakten des Dommuseums befand. Bilder bedeuten für ihn eine Spur,
eine Fährte, das übriggebliebene, sichtbare Zeugnis eines Weges, einer
Suche. Das Kunstwerk als Zeugnis von verinnerlichten Eindrücken, die ihn
in ihrer Komplexität, in ihrer Dramatik bewegen. Hierin folgt er
Hermann Nitsch und Anselm Kiefer, zwei Künstler, die ebenfalls das Bild
als Schlussstein eines emotionalen Prozesses sehen, eines Prozesses, in
dem Einflüsse und Emotionen sich zum Bild verdichten. Kaltner arbeitet
zyklisch. Serien entstehen, die sich in ihrer Farbigkeit, in ihrer
Chromatik unterscheiden. Farbwahl und Farbauftrag, Pinselführung und
auch die Dichte der Bilder variieren, während der Ausdruck und die
Handschrift des Bildes ihre Intensität und ihre Grundaussage nahezu
unverändert über die verschiedenen Zyklen hinweg beibehalten. Vor Jahren
entstand eine Bilderzyklus über das Thema des trojanischen Krieges,
2004 entstand eine Serie von Bildern zu den Dichtungen von George Byron
und Percy Bysshe Shelley. Nun stehen wir vor einem neuen Zyklus, einer
Serie von gut hundert Bildern, die vorwiegend 2007 entstanden sind.
Kaltners Palette hat sich gelichtet. Es überwiegen helle Farben, Weiß,
gelegentlich von zarten Abstufungen von Rosa, Grün, Gelb und Blau
durchbrochen. Auslöser und Inspiration für diese Bildserie war 2004 die
Überquerung eines zugefrorenen Sees bei Zell am See, in der Nähe von
Salzburg. Die Farben, denen wir in den neuen Arbeiten begegnen, tragen
diese Erfahrung eines stundenlangen Marsches über eine zugefrorene
Oberfläche in sich, spiegeln die Atmosphäre, die Stille der Situation
wider. Das Ergebnis seiner Malerei mag dann gelegentlich wie
Mauerschimmel erscheinen, der auf feuchten Wänden blüht, manchmal auch
wie die Darstellung von Feuersbrünsten, die von dunklen Explosionen
durchbrochen werden.
Paolo Thea
